Stadt unserer Albträume

Im Dezember 2014 besuchten wir zum ersten Mal das Musical Jesus Christ Superstar in Dortmund. Wir freuten uns auf ein entspanntes Wochenende, doch das Schicksal hatte andere Pläne...

An einem Freitagvormittag starteten wir also unsere Reise. Die Fahrt war, bis auf einen kleinen Stau, stressfrei. Dankbar über diesen Umstand und nichts ahnend was uns noch erwartete, erreichten wir unseren Zielort.

Wir hatten ein Hotel gebucht, welches als schmuckes Hotel im Zentrum beschrieben wurde. Es war auch schmucke, aber etwas versteckt. Daher war unsere Verwirrung perfekt, als uns die Trulla vom Navi stolz verkündete „Sie haben ihr Ziel erreicht“.

Nach der zweiten Umrundung des Blockes, beschlossen wir im Hotel anzurufen. Die Lady vom Hotel teilte uns mit, dass wir richtig gewesen wären, das Hotel wäre in den oberen Stockwerken eines Hochhauses. So war es dann auch über einer halbleeren Einkaufspassage zu finden.

Bei der Frage nach einer Parkmöglichkeit erzählte uns die Dame, dass in der Nähe des Gebäudes ein Parkhaus wäre. Für Gäste gäbe es jedoch keine Ermäßigung, was satte Parkgebühren zur Folge hatte.

Im Parkhaus wurden wir mit dem Schild „Wir haben keinen Aufzug“ begrüßt. Etwas bestürzt darüber und zwecks mangelnder Alternativen, parkten wir aber trotzdem dort. Wir fragten dann den Wachmann, ob es ernsthaft keinen Aufzug gäbe und wie man mit dem Rollstuhl denn nun hier heraus kommt. Der gute Mann bestätigte dies und zeigte uns einen sehr schmalen erhöhten Fußweg, der genau so breit war wie Sandras Rollstuhl. Nach diesem Drahtseilakt mussten wir noch flockig mit unseren Koffern eine lange Einkaufsstraße entlang laufen, bevor wir das Hotel entdeckten. Der Aufzug zum Hotel (wir bezeichneten ihn eher als „Freefall Tower" ) brachte uns in Lichtgeschwindigkeit zum Empfang. Während wir die Koffer und unsere Mägen wieder einsammelten, konnten wir dann endlich glücklich einchecken und bekamen sogar ein super schönes Zimmer mit zwei Bädern. 

Kurze Zeit später besuchte uns Tanja, eine Bekannte von Sandra, die ebenfalls wegen des Musicals angereist war und im selben Hotel übernachtete. Wir beschlossen, die freie Zeit bis zum Abend mit einem Besuch eines beliebten Cafés zu füllen.


Sandra wollte sich dann noch kurz etwas frisch machen, aber aus dem „kurz“ wurde leider nichts, da der Drehknopf der Badezimmertür klemmte. Jeglicher Befreiungsversuch unsererseits scheiterte, also mussten wir das Hauspersonal rufen. Die Dame vom Empfang hatte leider auch kein Glück und so blieb nur noch der Hausmeister. Nach ein paar geübten Handgriffen und dem Einsatz von Schmiere konnte die Tür endlich wieder geöffnet werden. 

Völlig am Ende erreichten wir dann das Café. Nach Kaffee und Kuchen sah die Welt aber wieder besser aus und unserem Abend stand nichts mehr im Wege. Ausgehfein begaben wir uns wenig später zum Essen. Der Rückweg ins Parkhaus war diesmal etwas entspannter, da wir im Hotel in Erfahrung gebracht hatten, dass es doch einen Aufzug gab. Froh darüber, nicht wieder den schmalen Weg ins Parkhaus oder einen Limbo unter der Schranke durch machen zu müssen, erreichten wir unser Restaurant.

Frisch gestärkt begaben wir uns dann zum Opernhaus, wo uns die Tiefgarage, nachdem wir bereits auf dem Weg nach unten waren, ebenfalls mit dem Schild „Wir haben keinen Aufzug“ begrüßte. In der stillen Hoffnung, dass dieser wie beim Hotel nur versteckt wäre, fuhren wir mutig weiter. Unten angekommen stellten wir fest, dass der Ausgang doch nur über eine lange Treppe führte und so blieb nur die Auffahrt übrig. Wir schickten also Tanja voraus, um die ankommenden Wagen zu warnen. Sabrina schob den Rollstuhl mit ihren Hochhackigen die ewig lange und steile Auffahrt hinauf. Ein paarmal dachten wir, jetzt sind wir „BREI“, aber wir haben es dann doch geschafft.

Im Theater selbst sorgten die Garderobenspinde und die Frage wie groß ein 50-Pfennig Stück mal gewesen war, für Verwirrung. Nachdem wir alle Münzen nebst Einkaufschip getestet hatten, sollte ein 10 Cent Stück die Lösung sein. Im Theaterraum angekommen, sah man sofort den Hauptdarsteller auf der Bühne liegen. Sandra wurde dann von einer Ordnerin gefragt, ob sie aus dem Rollstuhl könnte. Sie bestätigte dies etwas verwundert und ein paar Sekunden später hockte sie auf einem Klappsitz. Blöd nur, der Hauptdarsteller war für sie nun nicht mehr zu sehen…!

Treu dem Motto: „Wenn man klein ist muss man sich durchkämpfen“ und an frühere Kinobesuche erinnert baute sie sich die Rollstuhlkissen unter. Erleichtert, dass auch sie ihn nun wieder sehen zu konnte, fieberten wir der Vorstellung entgegen.

Das Musical war der absolute Hammer und nach der Vorstellung begaben wir uns zum Bühnenausgang und warteten auf die Darsteller. Die waren auch sehr schnell da und gaben in einer entspannten Art Autogramme und machten Fotos mit den Leuten. Glücklich über das gesehene Musical und das nette Gespräch mit den Darstellern, wollten wir nun unseren Abend bei ein paar Cocktails ausklingen lassen.

An Sabrinas Auto angekommen, mussten wir feststellen, dass dort eine ekelhafte Substanz klebte. Unsere Vermutungen, um was es sich hierbei handelte, möchten wir an dieser Stelle aber lieber nicht zu Papier bringen.

Angewidert begaben wir uns dann wieder zurück zu unserem Hotel, um von da aus das Nachtleben von Dortmund zu erkunden.

Die Suche nach einer Bar gestaltete sich aber eher schwierig, denn im ganzen Zentrum gab es nur verranzte Bierkneipen und Clubs mit eher zwielichtigem Charakter. Gefrustet über diese Tatsache begaben wir uns letztlich in unsere Hotelbar, wo wir den Abend mit einem überteuerten Longdrink ausklingen ließen.

Den nächsten Tag nutzten wir dann noch, um den Weihnachtsmarkt und die Shoppingmeile zu beehren, was eigentlich recht entspannt war, bis wir abends auf dem Weihnachtsmarkt noch Zeuge einer riesigen Schlägerei wurden. Das war uns dann doch zu viel und so flohen wir in Windeseile aus der Menge und verließen die Stadt. 


24.7.16 20:47

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